"Nordic Walking! Du?"

Tief in Gedanken versunken stapfte ich dahin, als ich den in der Überschrift zitierten Ruf eines Laufkollegen hörte. "Ja, ich!" erwiderte ich kleinlaut! Gerade ich, der SilberLäufer, der in meiner Heimat ja vorwiegend als unermüdlicher Läufer bekannt ist. Wieso also auf einmal Nordic Walking?

Na ja! Die Hauptursache liegt darin, dass ich seit nahezu drei Monaten nicht mehr laufen kann, weil massive Probleme an der Achillessehne dies nicht zulassen. Ein in Läuferkreisen weit verbreitetes Problem, welches so schon unangenehm ist und in Verbindung mit Rheuma ist der Prozess leider noch langwieriger. Nachdem ich in der Vergangenheit schon zu oft zu früh mit dem Laufen begann, will ich diesen Fehler diesmal vermeiden. Daher ist Pause angesagt, für mich die Höchststrafe! Langsam merke ich Besserung, die Schmerzen werden weniger, sind aber doch noch evident. Zu früh also für eine hohe Belastung der Beine, wie dies beim Laufen der Fall ist.

Um mich doch endlich wieder mehr bewegen zu können wählte ich für den Wiedereinstieg eine Soft-Variante - Nordic WalkingEine Sportart, die einfach aussieht – und doch machen’s viele falsch. Mit hängenden Schultern und müden Schrittes schlendern sie die Straßen entlang, die Stöcke hinter sich herziehend. Andere verfallen in den so genannten Kamelschritt, schwingen also mit dem rechten Arm das rechte Bein, dem linken Arm das linke Bein nach vorne, anstatt sich völlig natürlich im Diagonalschritt (rechter Arm - linkes Bein, linker Arm - rechtes Bein) zu bewegen. Wieder andere beugen den Oberkörper zu weit nach vorne - um nur die augenscheinlichsten Fehler zu erwähnen. So manche tragen die Stöcke einfach so vor sich her, aus welchen Gründen auch immer! Wer also richtig walken möchte, sollte die Schulterachsen-Beckenachsen-Gegen-Rotation beherrschen.

Früher einmal war ich oft Langlaufen und lernte diese gegengleichen Bewegungsabläufe. Zu einer Zeit, als der Skaterschritt noch weitestgehend unbekannt war, die Handbewegung aber ähnlich dem Nordic Walking abläuft. Hinzu kommt noch, dass ich generell ein gutes Gefühl für (richtige) Bewegung habe, was z.B. auch beim Tanzen sehr nützlich ist. Ich kann's also! Und obwohl ich mich in einem Posting ein wenig abwertend geäußert habe scheine ich zunehmend Gefallen am Walken zu finden. So war ich in den letzten Wochen bereits etliche Male mit den Stöcken unterwegs, sah die Gegend teilweise (weil langsamer) mit anderen Augen und lernte dabei - als nützlicher Nebeneffekt - auch etliche neue Laufstrecken kennen!

Das Ziel und der sportliche Schwerpunkt wird auch zukünftig (noch viele Jahre) beim Laufen sein.
Nachdem ich aber eher der Typ bin, der zu einseitig trainiert, habe ich mir fix vorgenommen, auch weiterhin Nordic Walking zu betreiben. Im forschen Schritt, ohne Geklapper und Geplapper, aber im richtigen Bewegungsablauf!
Nordic Walking? Ja, ich!

Kommentare:

  1. Lieber Reinhard,

    weniger schön scheinen die Malaisen an der A-Sehne zu sein und ich wünsche Dir rasche Genesung. Hast Du es schon mit Mais treten im Eimer versucht? Soll ja helfen. Auch das von mir immer wieder bemühte barfuß laufen kann den Beschwerden vorbeugen, aber das weißt Du bestimmt alles schon.
    Ich finde das Nordic walking gar nicht so schlimm, wenn es denn sportlich ausgeübt wird, meine Frau macht dies 2x in der Woche und sogar recht flott. Hier in meinem Laufrevier gibt es einen sehr ambitionierten, der walked in einer 6:30er Pace, was ich schon beachtlich finde. Allerdings wenn das NW nur zur Zusammenrottung von Menschen nach Kaffeekränzchen Manier dient und diese Horden dann die Forst- und Waldwege verstopfen mit ihrem Geschnatter die Wildtiere verjagen, dann werde auch ich ungehalten ;-)
    Ich wünsche Dir viel Spass beim Walken und v.a. gute Besserung, lass Dich nicht durch andere verunsichern, tu was Dir gut tut.

    Salut
    Christian

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    1. Lieber Christian, ein schönes Gefühl von (m)einem virtuellen Lauffreund so gut betreut und mit wertvollen Informationen versorgt zu werden. Vielen Dank dafür! Es stimmt schon, dass ich gewisse Dinge weiß, trotzdem ist es hilfreich wieder einmal darauf hingewiesen zu werden. Mais treten im Eimer kannte ich allerdings noch nicht!

      Das Problem in den letzten Wochen war ja, dass ich mit dem rechten Fuß kaum auftreten konnte. Wenn man gewohnt ist weit mehr als 40 Kilometer die Woche zu laufen, dann wirst du irgend wann unrund, So erinnerte ich mich eben an das Nordic Walking, welches ich ja perfekt beherrsche. Natürlich erinnerte ich mich dabei an die Horden, die du hier ansprichst und ich in meinem Blog ebenfalls beschrieben habe. Diese sind nach wie vor abschreckend und unerträglich. Wohl mit ein Grund warum ich still und heimlich meine einsamen Spuren ziehe.

      Ich hoffe allerdings spätestens Mitte September (dann sind es quälende drei Monate) wieder mit dem Laufen beginnen zu können. Auch wenn es noch so schwer fällt, zu früh zu beginnen hat mich zu oft wieder zurück geworfen. Mit 65 scheine ich langsam vernünftig zu werden *lacht*!

      Vielen Dank für deine aufmunternden Worte!
      Alles Gute und liebe Grüße aus dem regnerischen Kärnten - Reinhard

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  2. Hallo Reinhard,

    oje - Achillessehne klingt gar nicht gut. Homöopathische Dinge wie Traumeel Tabletten uä brauch ich dir sicher nicht zu raten, weil du sicher genügend Dinge schon ausprobiert hast. Da bleibt mir dann nur noch dir eine schnelle und nachhaltige Genesung zu wünschen!
    Wie du richtig beschrieben hast ist Nordic Walking eine ernsthafte Sportart - vorausgesetzt man schleift die Stöckchen nicht am Asphalt hinterher, was dann eher weniger gut ausschaut und vor allem die Umgebung mit netten Geräuschen flutet.
    Ich finde, dass Nordic Walking, richtig ausgeführt (und der komplexe Bewegungsablauf will gelernt sein!), eine ziemliche Anstrengung und Herausforderung ist. Zudem belasted es den ganzen Körper - ähnlich dem Langlaufen. Deshalb - meine Hochachtung vor deinem Sportsgeist und deiner Ambition trotz der langwierigen Verletzung aktiv zu sein. Ich ziehe imaginär meinen Hut!

    lg und alles Gute
    Joe

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    1. Ja, lieber Joe, so kann's gehen!
      Danke auch dir für deinen Tip und bevorzuge in diesem Zusammenhang sowieso eher homöopathische Hilfsmittel. Dehnen ist auch recht hilfreich, wobei mir selbiges eh nur dann einfällt, wenn es schon zu spät ist. Aber da bin ich nicht alleine!

      Ja, und Nordic Walking betreibe ich weil ich mich endlich aktiv bewegen möchte. Und es hilft, denn seit ich damit begonnen habe geht es zusehends aufwärts. Wie ich - oben - schon an Christian geschrieben habe bin ich da wirklich sehr zügig und im richtigen Bewegungsablauf unterwegs. So wie's aussieht werde ich diese Sportart wirklich auch weiterhin betreiben.

      Danke für dein Posting und liebe Grüße - Reinhard

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  3. Lieber Reinhard,

    zuerst einmal: gute Besserung. Ich, und wahrscheinlich jeder andere Läufer auch, bewundere deinen Entschluss, mit dem Laufen noch etwas zu warten. Zu früh anfangen tut man gerne einmal, das schlägt sich nach ein paar Läufen unheimlich nieder - kenne ich durch leichte Erkrankungen oder Verletzungen leider selbst schon ganz gut.

    Walking finde ich grundsätzlich gar nicht soooo verkehrt, mein Vater hat das immer mit großer Leidenschaft betreiben. Mich hat's für ihn gefreut, er konnte sich bewegen und hat etwas für sich getan. Leider gibt's halt viele, und ich traue mich zu sagen, das ist mehr als die Hälfte, die sich halt nicht wirklich um den Bewegungsablauf kümmern. Die Stöcke schleifen da bspw. ganz gerne. Eine andere Sorte sind die Wettkampf-Walker: Bei Kärnten läuft sind die vorgeprescht, sind die ersten Schritte gelaufen und dann so verbissen "gewalkt", dass das nicht mehr wirklich sinnvoll aussah. Entspannt ganz zu schweigen!

    Walking, richtig gemacht, ist sicher eine nette Abwechslung. Ich wünsche dir trotzdem, dass du bald wieder in die Laufschuhe schlüpfen kannst ;)

    Liebe Grüße,
    Markus

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