Vier Berge, 52 Kilometer und 2.000 Höhenmeter!

Zugegeben, die in der Überschrift angegebenen Streckenangaben variieren, je nachdem, welcher Weg gewählt wird, der nicht immer gleich verläuft. Die Geschichte handelt vom Vier-Berge-Lauf:
"Der Vierbergelauf ist eine um 1500 erstmals beschriebene Wallfahrt über den Magdalensberg, Ulrichsberg, Veitsberg und Lorenziberg rund um St. Veit. Sie findet am „Dreinagelfreitag“ (benannt nach den drei Nägeln, mit denen Jesus ans Kreuz geschlagen wurde), dem zweiten Freitag nach Ostern, statt. Die über 50 km lange Strecke, die mit einer Mette am Magdalensberg beginnt, wird innerhalb von 17 Stunden zurückgelegt, wobei je nach Ausgangspunkt bis zu 2.000 Höhenmeter zu überwinden sind. Tausende Teilnehmer aus ganz Kärnten, aus den anderen Bundesländern und dem benachbarten Ausland nehmen mittlerweile alljährlich an dieser traditionellen Wallfahrt teil." So stehts bei Wikipedia

Freitag, 20. April 2012: Heuer gehe ich das elfte Mal und wie immer alleine. Der Grund liegt darin, dass aus meiner Familie niemand daran teilnimmt und man unterwegs sowieso immer wieder auf nette Menschen trifft, mit denen man plaudern kann. Nachdem ich aber beruflich sehr viel mit Menschen zu tun habe und dabei auch viel reden muss, genieße ich gerne die Stille des Alleinseins. Ich will stehen bleiben, Messen besuchen, beten, rasten - wann immer mir danach ist. Eile ist hier fehl am Platz!

Trotzdem, es fällt auf, dass immer mehr Menschen den Vier-Berge-Lauf komplett falsch verstehen, der eigentlich Vier-Berge-Marsch heißen müsste. Eine liebe Bekannte, die ich nach Jahren hier traf meine dazu auf Facebook: "Es gibt mehr Menschen als man glaubt, die das Wort VierbergeLAUF wortwörtlich nehmen, und den Genuss des Gehens verabsäumen". Sie werden's nie verstehen, jene die den Marsch bereits ab 22:00 Uhr beginnen, um ja früh genug am Ziel zu sein. Die die Natur nicht hören und spüren und natürlich auch nicht diese einzigartige Stimmung mitnehmen. Wo ist da die innere Einkehr, das Innehalten, die Ruhe und Besinnung?

Weitere Fotos im Link ganz unten!

Egal! Diese traditionelle (aber von niemandem organisierte) Veranstaltung beginnt bei der Kirche am Magdalensberg (1.059 m), nach der Mitternachtsmesse, der ich heuer erstmals beiwohnte. Ein schöner Beginn! Dann Abmarsch mit den Kreuzträgern so gegen 00:45 Uhr.

Es geht also schnellen Schrittes den Berg hinunter, auf gleicher Höhe mit den Kreuzträgern, begleitet von den Gebeten der Vorbeter. Einige Stunden dauert es, bis man im Tal ist. In tiefer Dunkelheit wird das Zollfeld überquert, bevor es weiter geht, hinüber hinüber nach Pörtschach am Berg. Hier treffe ich meinen Lauffreund Fritz, mit seiner Frau Lisa. Ich gehe mit in die Kirche, die bald voll ist und nehme auch hier an der Messe teil. Schön wenn man erlebt was sonst sehr selten vorkommt. Alle beten und singen mit! Dann der Anstieg auf den Ulrichsberg (1.022 m), der aus meiner Sicht der schwierigste Teil. Steil, sehr steil, geht es das letzte Stück hinauf. So gegen 6:00 Uhr früh bin ich dann oben und erlebe den Sonnenaufgang, mit Blick auf Klagenfurt. Eine kurze Pause. Teile der Bekleidung werden gewechselt und eine Stärkung eingenommen.

In Karnberg angekommen verbleibe ich ein wenig bei der Bischofsmesse. Mein jährlicher Fixpunkt! Schön und stimmungsvoll! Leider kann ich nicht bis zum Ende dabei bleiben, denn die verzweifelte Suche nach einem rettenden Gebüsch hat in diesem Moment Vorrang!

Erleichtert gehe ich weiter bis Zweikirchen, die ersten Kinder warten auf die Süßigkeiten, die die Pilger in ihre Körbe werfen. Vor Zweikirchen wartet der Pfarrer auf die Kreuzträger zum „Kreuz-Küssen" und um diese zur Kirche zu begleiten. Ich bleibe nicht stehen, gehe weiter über den Glantalboden. In St. Leonhard wird man von Hermine Wechs guten Puten-Leberkäs-Semmeln gelebt, dazu gibt's ein gutes Hirter-Bier-Fläschchen. Das alles kostenlos! Danke!

Das beeindruckende Höhenprofil des Vier-Berge-Laufs

Weiter geht's den Kulm hinauf und weiter nach Limberg, meiner nächsten Rast. Es gibt eine Fritattensuppe im Becher. Im Gasthaus würde ich sie zurückschicken, hier schmeckt sie. Vor mir der gefürchtete Veitsberg (1.171 m). Durch unwegsames Gelände hinauf erreichen wir die „Blutwiese", an der bei höheren Temperaturen schon so mancher Wanderer verzweifelte. Ich leg mich hin, geniesse die wenigen Sonnenstrahlen des heutigen Tages, aber auch die Pilger, die schon ein wenig gezeichnet vorbeiziehen. Ich höre schon das Glockengeläut des Kirchleins, welches man dreimal umrundet. Dann geht man hinein, läutet dreimal, äußert still einen Herzenswunsch und geht weiter, wie ich auch!

Weiter ziehe ich die „Hölle" hinunter nach Gradenegg. Das Wetter ist angenehm und trocken. Sörg ist endlich in Sicht. Unterwegs versorgen Bauern die Pilger mit Kuchen, Reindling und Getränken. Fröhliche Stimmung bei den Pilgern. Ich bleib in Sörg nicht stehen, ziehe weiter Richtung Lorenziberg, der niedrigste und zugleich letzte der vier Berge. Wenige Höhenmeter, aber es zieht sich ordentlich!

Nach einem langen Weg höre ich bereits das Glockengeläut vom Lorenziberg (971m). Das Ziel ist erreicht. Kurzes Innehalten, ein letztes Gebet, dann gehe ich den Berg hinunter, wo Elisabeth auf mich wartet und mich nach Hause führt. Glücklich, erleichtert und etwas müde geht's zu Hause unter die Dusche. Gedanklich bin ich schon beim Vier-Berge-Lauf 2013 ...!

Bericht des ORF in Kärnten heute:


Weitere Links:
- Meine Fotoserie zum 4BL 2012
- Vier-Berge-Lauf
- Kleine Zeitung zum Vier-Berge-Lauf 2012
- Anton Wieser's Fotodokumentionen
- Thomas Dopplers GPS Dokumentation (Strecke, Höhenmeter)
- meins.tv, Video von 2010

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