Über vier Berge ins Paradies!

Vor etwas mehr als einer Woche, genauer gesagt am 3. Mai 2018 (dem Dreinagelfreitag), verließen Kreuzträger kurz vor 01:00 Uhr früh die Kirche am Magdalensberg (1.059 HM) um betend und schnellen Schritten talwärts zu gehen. Dahinter eine Menschenschlange die den starken Männern mit den schweren Kreuzen nacheilten und ebenfalls betend nach unten gehen. Man sah ein Meer an Stirnlampen flackern und hörte das Klappern der Wanderstöcke. Dazwischen Menschen die den Kreuzträgern nachbeteten und leises Murmeln

Aber warum machen sich tausende Menschen um diese Zeit auf den Weg?
Und was das das mit dem Paradies zu tun?
Vier-Berge-Lauf, heißt das Zauberwort!
Die Überlieferung sagt, der Vierbergelauf ist eine Wallfahrt über den Magdalensberg, Ulrichsberg, Veitsberg und Lorenziberg die niemand organisiert und dennoch seit etwa 500 Jahren stattfindet. Jedes Jahr am zweiten Freitag nach Ostern, dem sogenannten Dreinagelfreitag, pilgern Tausende Wallfahrer die etwa 50 Kilometer lange Strecke, auf der es ca. 2000 Höhenmeter zu überwinden gilt. Während des Vierbergelaufes werden fünf Messen und drei Andachten gefeiert. Laut einer Überlieferung kommt ins Paradies, wer den Weg über die Vier Berge dreimal hinter sich bringt.

Mein Start erfolgte natürlich schon etwas früher: Mein Pilgerstab zeigte mit der 14. Kerbe die aktuelle Anzahl meiner Teilnahmen, als ich bereits am Donnerstag gegen 22:30 Uhr mit dem "Tochter-Hund" Carli zu einem der vielen Sonderbusse aufbrach, der (nicht nur) mich auf den Ausgangsort, dem Magdalensberg brachte. Obwohl der eigentliche Marsch erst nach der Mitternachtsmesse beginnt, gibt es immer mehr Menschen die schon Stunden zuvor aufbrechen. Für mich unverständlich, da es ja wesentlich reizvoller ist, den Großteil des Weges bei Tageslicht zu gehen. Egal, jeder wie er will!

Es geht schnellen Schrittes den Berg hinab. Neben den Beten hört man noch gedämpftes Murmeln. Beim Gasthof Fleißner die ersten Pausen. Ich verdrücke ein Brot, meine Begleiterin Carli das erste Leckerli. Dann geht's über das Zollfeld weiter Richtung Pörtschach am Berg, wo die nächste Messe zelebriert wird, der ich kurz beiwohne.

Danach geht es erstmals steil hinauf zum Ulrichsberg (1.022 HM. Für mich so ziemlich der schwierigste Teil der Strecke. Steilere Abkürzungen und weitläufige Wege wechseln einander ab. Die Morgendämmerung beginnt als ich am Gipfel ankomme. Hündin Carli und ich haben eine Pause verdient. Die Aussicht nach Klagenfurt wird genossen und ein Teil der Wäsche gewechselt, ehe es nach unten geht. Denn um 07:00 Uhr gibt es einen Fixpunkt, die Bischofsmesse. Eine sehr stimmige Messe, die von der Militärkapelle musikalisch untermalt wird und an der hunderte Pilger teilnehmen.

Ein wenig weiter in Zweikirchen werden die Kreuzträger vom örtlichen Pfarrer in Empfang genommen und man sieht man die ersten Kinder, die auf die Zuckerln warten, die die Pilger verteilen. Die Körbe füllen sich. "Carli" ist schon ziemlich durstig. Die Feuerwehr Zweikirchen ist mein Retter und meine treue Begleiterin wird bestens versorgt! Vielen Dank!
Nun geht es einigermaßen eben weiter über das Glantal hin nach St. Leonhard. Ein wichtiger Fixpunkt, was die Stärkung für Mensch und Tier betrifft. Denn die Firma Wech verschenkt hier jährlich köstliche Leberkässemmeln und die Hirter Brauerei Bier oder Radler. Carli freut sich noch mehr, denn für sie gibts eine gesunde Hundejause von Wech, die - wie üblich - der Geschäftsführer Bernd Bodner, selbst verteilt! Aus mit der Gemütlichkeit, jetzt geht es wieder nach oben, die Ortschaft Limberg im Visier.

Kaum jemand der nicht die große Wiese für eine kurze Rast nutzt, ehe das nächste Steilstück in Angriff genommen wird, der berüchtigte Veitsberg (1.171 HM)! Es geht zeitweise recht steil nach oben. Leichtes Regenniseln hat angesetzt. Neben mir höre ich eine junge Frau fluchend sagen "hört denn der Sch...berg nie auf?". Doch, denn wenn man das Läuten des Kirchenglöckleins hört ist man dem Gipfel sehr nahe. Die Pilger umkreisen hier die Kirche drei Mal, ehe sie am Glockenstrang ziehen und dabei ihre Wünsche zum Himmel schicken.

Blöderweise geht es nun den Veitsberg hinab sehr weit nach unten in den Talboden, auch "Hölle" genannt, ehe wir Wanderer wieder viele Höhenmeter nach oben gehen, nach Gradenegg! Unterwegs versorgen Bauern die Pilger mit Kuchen, Reindling und Getränken. Fröhliche Stimmung bei den Pilgern. Das sind die allseits beliebten Feinheiten der Vierberge-Wallfahrt! Sörg ist in Sicht, dazwischen aber leider eine Talsenke. Der Weg vom Veitsberg zum letzten Gipfel ist also geprägt von einem ständigen Auf und Ab, welches sehr anstrengend sein kann. Schon deshalb, weil man an diesem Teil der Strecke doch schon etliche Kilometer in den Beinen hat!

Der letzte Abschnitt beginnt. Immer mehr Labestationen liegen an der Strecke und immer mehr Menschen bleiben an der einen oder anderen Station hängen. Es wird musiziert, die Stimmung wird lockerer, das Ziel naht! Trotzdem, der Weg zum Lorenziberg (971 HM) zieht sich! Es ist ca. 14:30 als ich am St. Veiter Hausberg eintreffe, wo schon hunderte Menschen den Gasthof belagern. Man sieht müde Menschen, die aber ihren Stolz zeigen, eine sehr schwierige Wanderung geschafft zu haben. Viele warten noch bis
die Kreuzträger eintreffen, um dann gegen 16:30 Uhr die letzte Messe feiern bei der fas alle beim Lied "Großer Gott wir loben dich" mitsingen. Carli und ich genießen den Moment, verzehren die Reste unserer Verpflegung und gehen die letzten Kilometer nach Nußberg, dem Fuß des Berges, wo meine Frau bereits auf uns wartet!

Fazit:
Was immer der Grund ist an dieser (sehr empfehlenswerten) Wallfahrt teilzunehmen, man soll versuchen nahe der Kreuzträger mitzugehen, egal ob man dem christlichen Glauben huldigt oder nicht. Der angenehme "Nebeneffekt" ist, dass man mehr davon hat, den großteil des Weges bei Tageslicht zu gehen, die herrliche Landschaft bewusst einzufangen und die "g'standenen Vierbergler" zu erleben. Natürlich ist es auch spannend, die vielen anderen Menschen wahrzunehmen, denen man begegnet. Obwohl ich (abgesehen davon, dass mich die Hündin Carli begleitet) stets alleine unterwegs bin, freue ich mich immer wieder mit Gleichgesinnten ins Gespräch zu kommen und Teile der Strecke mit ihnen zu gehen.
Trotz der körperlichen Anstrengung ist die Erholung für den Kopf enorm, gelingt mir doch stets komplett abzuschalten und mich nur auf den Moment zu konzentrieren. Wer den Weg in Hast und Eile bestreiten und als erster im Ziel sein will (Wahnsinnige waren bereits um 09:00 Uhr am Lorenziberg) ist hier bei der falschen Veranstaltung.

Weitere Links zu
- Fotoserie Vierbergelauf 2019
- Tourdaten
- Anton Wiesers Fotodokumentation 2019

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